Core War · Befund
2026-10-09 · Lesezeit ~6 min

„Azathoths Stone ist toter Code" — ein Irrtum, nachgemessen

KI-Hinweis: Dieser Text entsteht mit Unterstützung von KI-Systemen, wird aber vor der Veröffentlichung redaktionell geprüft und verantwortet.

Azathoth von John Metcalf ist einer der Warriors, von denen wir am meisten gelernt haben: ein Paper/Stone mit Quickscanner, hundert Zeilen lang, lange Zeit Platz 1 auf dem Königstuhl. Wer einen solchen Warrior als Baumaterial nimmt, muss wissen, welche Zeile was tut. Genau da ist uns ein Fehler unterlaufen, der monatelang Arbeit gekostet hat — und die Messung, die ihn aufgedeckt hat, ist lehrreicher als der Fehler selbst.

Die These

Ein Ausführungszähler über die Quellzellen des Warriors hatte gezeigt: die Zellen 9 bis 14 des Quelltexts, der Stone-Teil, werden nie ausgeführt. Daraus wurde eine Bauregel: Der Stone ist toter Code, der Einstieg liegt in Zelle 20, und alles, was man hinter Zelle 19 setzt, läuft. Auf dieser Regel bauten eine ganze Variantenreihe und über hundert Umbauten auf.

Die Messung

Der Zähler hatte nicht gelogen — er hatte nur die falsche Frage beantwortet. Er zählte, wie oft jede Quellzelle ausgeführt wird. Azathoth führt seinen Stone aber gar nicht an Ort und Stelle aus: Eine Boot-Schleife kopiert ihn in einen anderen Bereich des Speichers, und nur die Kopie läuft. Die Quellzellen sind eine Kopiervorlage. Dasselbe gilt für das Papier.

Ein Trace auf Instruktionsebene mit Prozess-Zuordnung — also die Frage „welcher Prozess führt gerade welche Zelle aus, und woher stammt sie" — zeigt das unmissverständlich: Die Stone-Kopie trägt gegen einen inerten Gegner 13 bis 69 Prozent aller Azathoth-Befehle je Runde, gegen unseren Arrakis 4 bis 79 Prozent, gegen unseren Betelgeuse 25 bis 78 Prozent. In einem Trace über 3000 Zyklen liefen 246 von 460 Prozessen in dieser Kopie.

Der Stone lebt. Und damit konnte alles, was hinter Quellzelle 19 eingesetzt worden war, nie laufen — die Quelle ist Vorlage, nicht Programm.

Was die Umbauten wirklich getroffen hat

Die Fehllesart erklärte auch zwei Rätsel, die vorher offen waren.

Warum eine Variante einbrach. Eine Umbau-Variante mit 92,40 Punkten hatte den Boot-Zähler korrekt gesetzt, trug aber drei Prozess-Generatoren im gebooteten Block, ohne Abfluss. Die Folge im Trace: der Prozess-Pool ist nach weniger als 10 000 Zyklen auf 8000 gefüllt, danach führt der Warrior zu 100 Prozent Splits aus, das Papier kommt auf unter 0,1 Prozent, der Clear bewegt sich gar nicht mehr. In Sieg/Niederlage/Remis-Prozenten: gegen Arrakis von 12/24/63 auf 9/50/40, gegen Hatysa von 16/15/67 auf 9/64/25, gegen Betelgeuse von 65/33/1 auf 23/75/1.

Azathoths eigener Stone reguliert sich dagegen selbst: ein einziger Generator, dessen Prozesse regelmäßig auf der eigenen Bombe sterben (344 eigene Tode im Trace), Pool zwischen 600 und 3600. Prozess-Ökonomie ist eine Eigenschaft der Architektur, nicht ein Parameter, den man nachträglich hinzufügt.

Warum der Clear-Tausch scheiterte. Die eigentliche Idee hinter der Reihe war, den Stone-Platz durch den Clear eines anderen Metcalf-Warriors, Resinoid, zu ersetzen. Vorab registriert und auf dem Testfeld v10 gemessen:

Variante Mittel (drei Seeds)
Azathoth unverändert 137,50 (140,24 / 136,16 / 136,12)
Clear-Tausch, Boot kopiert den Clear mit 111,08 (112,22 / 111,01 / 110,01)
Clear-Tausch, Boot unverändert 112,80 (113,70 / 113,63 / 111,07)
Clear-Tausch mit dauerhaftem Clear 107,07 (109,08 / 107,58 / 104,54)

Alle drei Varianten liegen weit unter dem Original. Die Prozess-Ökonomie war dabei in Ordnung; der Clear läuft ein bis zwei Durchgänge und endet — danach bleibt reines Papier ohne Tötungsmechanik. Ein verwandter Warrior, Spawn of Azathoth, ist also nicht „Azathoth mit Resinoids Clear im Stone-Platz". Wie Metcalf den Clear dort in hundert Zellen verankert, ist ohne den Quelltext nicht ableitbar.

Eine Kontrollvariante, die in Quellzelle 20 einen Sprung auf die Stone-Kopie setzt, war bitidentisch zum Original — auf allen Seeds und in allen Zellen, mit 0 von 1071 Ausführungen in Zelle 20. Die Zelle wird nirgends ausgeführt. Was dort steht, ist egal.

Das Leck, das keiner gesucht hatte

Der Trace lieferte nebenbei den eigentlichen Befund. Azathoths Papier kopiert sich in Blöcken von fünf Zellen weiter; der Sprungbefehl am Ende jedes Blocks fällt, wenn er nicht springt, in die sechste Zelle — und die enthält beliebigen Speicherinhalt, meistens die Bombe des Gegners.

Gegen Arrakis an drei Startpositionen fielen 16,5, 64,6 und 44,7 Prozent aller Sprungbefehle durch, gegen Hatysa 50,2, 47,9 und 43,9 Prozent — tausende Prozess-Tode je Runde. Gegen Betelgeuse null (dort entscheidet der Quickscan vorher), gegen einen inerten Gegner 6 Prozent. Die frühere Aussage „der Fallthrough löst nie aus" war gegen einen Dummy gemessen worden, der nichts bombt — und sie galt nur für die Quellzelle, nicht für die Kopien.

Das passt zum Hill-Profil von Spawn of Azathoth gegenüber dem Original: Gegen Stone-Gegner liegt er 20 bis 36 Punkte besser, gegen Scanner nicht. Ein Clear kann auf dieser Basis nur tragen, wenn er das Ziel des Fallthroughs ist — der Prozess wird zum Clear, statt zu sterben. Das müsste im fünfzeiligen Papier selbst verankert sein. Ohne Eingriff in Azathoths Papierzeilen ist das nicht baubar; der Mechanismus-Befund ist damit geschlossen.

Die Gegenprobe: incubus

Dieselbe Frage von der anderen Seite: Lässt sich ein unbekannter Spitzen-Warrior aus bekannten Bauformen rekonstruieren? Für incubus (Klasse Quickscan → Anti-Imp-Papier mit Stone) haben wir siebzehn Königstuhl-Warriors derselben Klasse gegen sieben unserer Warriors gemessen und mit incubus' echten Hill-Zellen verglichen (119,2 / 125,6 / 118,0 / 123,6 / 159,6 / 187,2 / 194,8). Die beste Übereinstimmung erreichte Fear of the Dark (Metcalf) mit einem mittleren absoluten Fehler von 17,1, dicht gefolgt von digeridoo mit 17,6; die Schwelle für einen brauchbaren Stellvertreter lag vorab bei 8. Kein Kandidat kam auch nur in die Nähe.

Der Rest, der nicht schließbar ist, ist in beiden Fällen derselbe: incubus gewinnt gegen unsere Stones mehr, als er verliert (16 bis 20 Siege gegen 13 bis 16 Niederlagen). Unsere Papier-Stellvertreter verlieren alle mehr, als sie gewinnen. Die Spitzen-Papiere der Szene — Metcalfs, Christian Schmidts — gewinnen das Papier-gegen-Stein-Duell knapp. Keine unserer Referenzen tut das, und wir wissen noch nicht, warum.

Messkonvention

  • Trace: eigene Engine (rmars) mit Prozess-Zuordnung je Befehl, Startpositionen 450 bis 7500, Gegner: inerter Dummy, Arrakis, Hatysa, Betelgeuse, Azathoth.
  • Feldmessung: Testfeld v10, 400 Positionen × 2 × 3 Seeds (31707 / 77777 / 424242) — feste Positionslisten statt Zufallsrunden, deshalb reproduzierbar.
  • Clear-Tausch vorab registriert (Vorhersagen vor der Messung festgeschrieben); Ergebnis: zwei von fünf Vorhersagen getroffen.
  • incubus-Abgleich: 400 × 2 × 3 Seeds gepoolt, Fehlermaß mittlerer absoluter Fehler über sieben Zellen.
  • Quellen: Nachträge N1185 und N1186 im Strategie-Log des Projekts (12. September 2026).

Attribution

Azathoth, Spawn of Azathoth, Resinoid und Fear of the Dark stammen von John Metcalf; die Paper/Stone-Hybride der Vergleichsreihe von Christian Schmidt. incubus stammt von Christian Schmidt, digeridoo von inversed; die übrigen Vergleichs-Warriors stehen im Königstuhl-Archiv. Wir veröffentlichen keinen fremden Quelltext. Arrakis, Hatysa, Betelgeuse, Adhara, Mintaka, Ecaz und Arvon sind eigene Warriors (Stefan Kammann & Forge-AI); Arvon baut auf Azathoth auf (siehe Attribution).

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